Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) hat eine bedeutende Klage gegen Amazon eingereicht. Sie wirft dem E-Commerce- und Cloud-Computing-Riesen vor, seit Jahren illegal und ohne deren Zustimmung Verbraucher für seinen Abonnementdienst Amazon Prime zu gewinnen. Die Klage, die beim US-Bezirksgericht für den westlichen Bezirk von Washington eingereicht wurde, behauptet, Amazon habe manipulative, zwanghafte und irreführende Benutzeroberflächen, sogenannte „Dark Patterns“, verwendet, um Nutzer dazu zu verleiten, sich für automatisch verlängerte Prime-Abonnements anzumelden.
Laut der FTC war Amazons Checkout-Prozess darauf ausgelegt, Kunden zum Abschluss eines Prime-Abonnements zu drängen. Oftmals war unklar, ob sie einer wiederkehrenden Gebühr zustimmen. Die Klage behauptet weiter, das Unternehmen habe den Kündigungsprozess bewusst kompliziert, um Abonnenten zu halten, die den Dienst kündigen wollten. Interne Dokumente belegen, dass Amazon-Führungskräfte diesen absichtlich komplizierten Kündigungsprozess „Ilias“ nannten, nach dem epischen griechischen Gedicht über den langen, mühsamen Trojanischen Krieg. Sie waren sich der damit verbundenen Unannehmlichkeiten für die Kunden durchaus bewusst.
Die Vorsitzende der FTC, Lina Khan, erklärte: „Amazon hat Nutzer ausgetrickst und sie dazu verleitet, ohne ihre Zustimmung Abonnements abzuschließen. Das hat die Nutzer nicht nur frustriert, sondern auch viel Geld gekostet.“ Die Klage zielt auf finanzielle Bußgelder und eine einstweilige Verfügung ab, um Amazon von diesen mutmaßlich irreführenden Praktiken in Zukunft abzuhalten.
Diese Klage stellt eine erhebliche Verschärfung der regulatorischen Kontrolle dar, der Amazon ausgesetzt ist, und ist ein Eckpfeiler der umfassenden Bemühungen der Biden-Regierung, die Marktmacht der Big Tech-Unternehmen einzudämmen. Der Ausgang könnte weitreichende Auswirkungen auf abonnementbasierte Geschäftsmodelle in der gesamten digitalen Wirtschaft haben und möglicherweise neue Maßstäbe für Transparenz und Nutzereinwilligung bei Online-Transaktionen setzen. Amazon hat erklärt, die Behauptungen der FTC seien sachlich und rechtlich falsch.


