EU erhebt formelle Kartellklage gegen Microsoft wegen Teams-Bündelung

Die Europäische Kommission hat Microsoft offiziell wegen Verstoßes gegen EU-Kartellrecht angeklagt. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, seine Kommunikations- und Kollaborationssoftware Teams illegal mit seinen marktbeherrschenden Produktivitätspaketen Office 365 und Microsoft 365 gebündelt zu haben. Dieser Schritt stellt eine deutliche Verschärfung der regulatorischen Kontrolle des Technologieriesen dar und ist das erste Mal seit über einem Jahrzehnt, dass die EU derartige Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben hat.

In einer Mitteilung der Beschwerdepunkte legte die Kommission ihre vorläufige Auffassung dar, dass Microsoft seine Marktposition missbraucht und den Wettbewerb eingeschränkt habe. Durch die Bündelung von Teams mit seiner beliebten Unternehmenssoftware habe Microsoft der Anwendung einen unfairen Vertriebsvorteil verschafft und Konkurrenten daran gehindert, auf der Grundlage ihrer Leistung zu konkurrieren, argumentieren die Regulierungsbehörden. Diese Praxis, so die EU, habe Innovationen beeinträchtigt und die Auswahl der Kunden im Markt für Kommunikations- und Kollaborationssoftware eingeschränkt.

Auslöser der Untersuchung war eine Beschwerde von Slack aus dem Jahr 2020, einem wichtigen Konkurrenten von Teams, der mittlerweile zu Salesforce gehört. Um diesen regulatorischen Bedenken Rechnung zu tragen, hat Microsoft Teams im vergangenen Jahr in Europa aus seinen Microsoft-365- und Office-365-Paketen ausgegliedert und diese Änderung im April 2024 weltweit ausgeweitet. Die Europäische Kommission hielt diese Maßnahmen jedoch für unzureichend, um fairen Wettbewerb wiederherzustellen.

Margrethe Vestager, EU-Wettbewerbskommissarin, erklärte, die Kommission sei besorgt, dass Microsofts Änderungen „nicht ausreichen, um den Wettbewerb wiederherzustellen“, und dass möglicherweise umfassendere Maßnahmen erforderlich seien. Im Falle eines Schuldspruchs droht Microsoft eine Geldstrafe von bis zu 101 Milliarden TP3 Billionen seines weltweiten Jahresumsatzes. Zudem müsste Microsoft umfangreichere strukturelle Änderungen bei der Verpackung und dem Vertrieb seiner Software vornehmen. Der Fall signalisiert eine erneut aggressive Haltung der europäischen Regulierungsbehörden gegenüber den integrierten Software-Ökosystemen der großen Technologieunternehmen.

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